Am 14. September findet in Bonn auf Einladung von BIBER, dem Netzwerk frühkindliche Bildung, der Deutsche Telekom Stiftung und der Stiftung Haus der kleinen Forscher die Fachtagung „Bildungsberufe im Wandel“ statt, die Impulse liefern soll für eine bessere MINT-Ausbildung von Kita-Fachkräften. Professor Wassilios E. Fthenakis, Leiter des Projekts Natur-Wissen schaffen der Telekom-Stiftung, erklärt im Interview die Bedeutung dieses Themas und fordert dringende Reformen.
Herr Professor Fthenakis, wie bewerten Sie die derzeitige Ausbildung von Kita-Fachkräften?
Wie kann die gewünschte Professionalisierung gelingen?
Bundesweit sind derzeit etwa 400.000 Fachkräfte im Elementarbereich tätig. Die meisten von ihnen haben eine Ausbildung auf der Fachschulebene abgeschlossen. Folgt man europäischen und internationalen Entwicklungen, so benötigt man für eine Transformation auf ein höheres Ausbildungsniveau bei einer Absolventenzahl von 10.000 pro Jahr etwa 40 Jahre. Dies kann demnach keine Lösung sein.
Wo muss man stattdessen ansetzen?
Derzeit gewinnen Überlegungen an Bedeutung, die auf eine Stärkung der Qualität auf allen Ausbildungsebenen bei gleichzeitigem Ausbau einer tertiären Ausbildung abzielen. Das bedeutet: Wir müssen die Ausbildungsqualität auf Fachschul- und Fachhochschul- beziehungsweise Hochschulebene dringend reformieren und zugleich, zumindest für die Leitungsposition, eine Qualifizierung auf Hochschulniveau, also Bachelor und Master, anstreben. Letzteres würde auch die Forschung beleben.
Welchen Beitrag wird das Projekt "Natur-Wissen schaffen" liefern?
Das Projekt liefert auf allen Ausbildungsstufen die fachliche Grundlage für eine solch reformierte Ausbildungsqualität. In Übereinstimmung mit internationalen Entwicklungen verändert Natur-Wissen schaffen die theoretische Grundlage und die Zielsetzung, auf denen die Ausbildung aufbaut: Das Ziel ist nicht mehr bloßer Wissenserwerb, sondern die Stärkung von Kompetenzen und dies auf einer sozialkonstruktivistischen Grundlage.
Was genau heißt das?
Wir haben ein „Kompetenz-Modell“ entwickelt, das zwei Ziele hat: Erstens, die Studierenden individuell zu stärken. Das heißt: Ihnen zu helfen, ihre sozialen und lernmethodischen Kompetenzen sowie ihre Widerstandsfähigkeit weiter zu entwickeln. Zweitens ist wichtig, dass die Studierenden während der Ausbildung Fachkompetenzen entwickeln, wie zum Beispiel in den Bereichen Interaktion, Reflexion, Forschung, Beobachtung und Dokumentation. Auf diese Weise werden die Studierenden am besten vorbereitet, den reformierten Bildungsplänen und einer Neuorientierung der Elementarpädagogik gerecht zu werden. Eine solche Vorgehensweise sichert höhere Ausbildungsqualität und Nachhaltigkeit in gleicher Weise.
Was erwartet die Teilnehmer der Fachtagung am 14. September 2011?
Wir können nicht mehr lange warten, um den Fachkräften die Konsequenzen vor Augen zu führen, welche gesellschaftlichen Erwartungen an die frühe Bildung, eine Neuorientierung der Elementarpädagogik und die Implikationen der Bildungspläne für ihr Rollenverständnis und für die Qualität ihrer Beziehung zum Kind, zu anderen Bildungsorten, vor allem zu der Familie nach sich ziehen. Es soll aber zugleich eine konkrete Perspektive aufgezeigt werden, wie eine solche Qualifizierung zu erfolgen hat und wie eine Ausbildungsreform, die ihren Namen verdient, organisiert werden sollte. Für die Fachkräfte der Praxis werden Möglichkeiten für ihre weitere Qualifizierung vorgestellt, zum Teil unter Nutzung neuer Technologien. Aus meiner Sicht sollte am 14. September 2011 die Botschaft vermittelt werden: Eine Reform der Ausbildung ist unverzichtbar und unaufschiebbar. Die fachlichen Voraussetzungen dafür sind über das Projekt Natur-Wissen schaffen der Deutsche Telekom Stiftung mehr als gegeben.
Weitere Informationen zur Fachtagung finden Sie hier.

Thomas Schmitt
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